Wörterbuch

In letzter Zeit hat sich das öffentliche Interesse wieder stark den einzelnen Mundarten zugewandt. Ausdruck dafür ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten für eine grössere Anzahl von schweizerdeutschen Dialekten so genannte Dialektwörterbücher entstanden bzw. Neuausgaben erschienen sind, so zum Beispiel in den vergangenen 10 Jahren für den Sensler (Sensebezirk des Kantons FR), Obwaldner, Nidwaldner, Baselbieter, Schaffhauser, Bernischen und den Zürcher Dialekt. Dahinter steht die Absicht, einerseits den heutigen Sprachstand des jeweiligen Dialektes zu erfassen, aber auch den Wortschatz, der vielerorts nur noch von älteren Personen angewendet wird oder sogar nur noch in der Literatur erhalten geblieben ist.

Als Folge der grossen gesellschaftlichen Veränderungen, wie veränderte Lebens- und Arbeitsverhältnisse, stark zunehmende Mobilität der Bevölkerung und Einfluss der Massenmedien ist mehr und mehr ein starker Wandel der Mundarten festzustellen. Eine solche Veränderung der Gesellschaft muss nicht zwingend eine Angleichung und Vermischung der Dialekte zur Folge haben und muss nicht der Verlust von Dialektwörtern und Redewendungen sein, was somit zu einer Verflachung der Dialekte führen kann. Die Erstellung von Dialektwörterbüchern soll dem entgegenwirken.

Ausgehend von diesem Hintergrund hat es Leo Buchs, im Anschluss an ein  Zusatzstudium an der Universität Zürich, übernommen, für die Jaundeutsche Mundart ein Wörterbuch zu verfassen.

 

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Das Jaundeutsche Wörterbuch ist am 20. August 2014 im Verlag "Förderverein Jùutütsch" mit der ISBN-Nr. 987-3-9523711-3-8 erschienen. Es umfasst auf 750 Seiten insgesamt 11'800 Wörter der Jaundeutschen Mundart, das entsprechende Register sowie ein Verzeichnis sämtlicher Flurnamen der Gemeinde Jaun und eine Anzahl Mundarttexte. Der Preis des Buches beträgt Fr. 56.--. Bestellungen direkt bei der Gemeindeverwaltung Jaun, Dorfstr. 10, 1656 Jaun, oder mit dem Kontaktformular. 


 


 

 

Jùutütsch

Auszug aus dem Wörterbuch:

 

Muusa - Spielpuppe

Mùusa (f, -ì): Spielpuppe [Dim. Mùusi t wohl von pat. moza `junges Mädchen` t Id. 4, 473]



òntere (g-t): nachahmen [ahd anterôn `nachahmen` t Id 1, 349]



riez (-er, escht): schnell [ahd rãzi, mhd raeze  «scharf, wild» t Id 6, 1269: «streng, schnell»]



Hächla (f, -ì): Œ ➊ Gerät zum Spalten der Flachsfasern (St)  ➋ grober Hobel für Rüben, Äpfeln und Kartoffeln (St), Gemüseraffel (RB, WS); brìng mer doch a mau d Hächla, iech wot Brägù mache (RB) Ž ➌ Frau, die hinten durch böse Gerüchte verbreitet (WS); a jùschtì Hächla (WS). SYN zu 2: Raffla [1: veralt. ¨ Id. 2. 969 ¨ahd. mhd. hachele, hechele (Gr)]

rìise (g-t): Œ➊ flicken, in Stand stellen; dì verschrìssne Hosì rìse.  ➋ lenken, leiten; si hìi Knöbla ìì Bach ahì grìiset Ž Ra. är hät fina Bìtz a Grìnd grìiset`er hat ein erstauntes Gesicht gemacht`.  ➌ reisen. ZSS att-, oo-, ab-, uuf- [Id 6, 1334/35]