Dialekt

Beim Thema Mundart oder Dialekt sind zur Zeit zwei unterschiedliche Trends erkennbar: Auf der einen Seite setzen nicht nur private Medien (ein schönes Beispiel dafür ist der von Josef Vaucher in Freiburg herausgegebene Häperetùmmer), sondern  auch das Schweizer Fernsehen vermehrt auf Schweizerdeutsch, auf der anderen Seite werden unsere Mundarten aus den Schulzimmern verbannt. Und zwar immer vehementer. Sogar beim Basteln und Turnen im Kindergarten und in der Primarschule wird auf Hochdeutsch unterrichtet. Da diskutierte ich neulich im Zug mit einer Polin - auf Hochdeutsch, damit sie mich verstand.  Sie wehrte sich: ich solle Schweizerdeutsch mit ihr reden. Schliesslich lebe sie in der Schweiz und wolle jene Sprache verstehen und reden lernen, die hier gesprochen wird.

Ein Dialekt wächst einem in der Deutschschweiz von seinen Eltern und seiner Umgebung zu. Sich als Jaunerin als Jauner den Erwerb der örtlichen Mundart als eigenes Verdienst anzurechnen, gibt es demzufolge nicht – allerdings gibt es auch keinen Grund, diesen einmal erworbenen Dialekt in der Vielstimmigkeit der schweizerdeutschen Dialekte untergehen zu lassen.

 

 

Da kommt der "Kleine Sprachatlas der deutschen Schweiz" (www.ds.uzh.ch/ksds) gerade zur rechten Zeit: Er bereichert die aktuelle Mundart-Diskussion.

 

Der Jaundeutsche Lexikoneintrag auf Wikipedia: http://als.wikipedia.org/wiki/Jaunerdeutsch

 

 

Vielseitigkeit

Die Bezeichnung für "Spielpuppe" ist je nach Landesgegend Titti, Bääbeli, Tittibääbeli, Baabe, Puppi, Poppe, Mämmi, Tunsch, Togge, Tocha oder Määga. Aber  nur gerade in Jaun heisst die Spielpuppe "Mùusa".

Dem Papiersack (für Mehl, Zucker usw.) sagt man je nach Landesgegend Guuuge, Sack, Lood, Löödli, Pageet, Goorne oder Schgarnutz. Und in Jaun? Hier heisst das  "Ùssì" oder "Papiirùùsì".

Auch das "Chùchichäschtli" kennt man in Jaun nicht, denn hier heisst der Küchenschrank immer noch "Chachtelbòòch".